Hintergründe zum ECHO Jazz

Der Stellenwert des Jazz hat sich in Deutschland im Laufe der Geschichte immer wieder geändert. Von den Nationalsozialisten wurde er verfolgt und geächtet, nach dem Zweiten Weltkrieg dann als Sound der Freiheit bejubelt. Die Musiker ahmten erst die amerikanischen Vorbilder nach, suchten danach eigene Wege und machten es sich und dem Publikum nicht leicht. Als die Freiheit in Free Jazz mündete, war die Schwellenangst geboren.

Seitdem ist das Verhältnis von Künstler und Konsument getrübt. Was für den einen die notwendige Loslösung vom Korsett der Tradition war, klang für den anderen nach Chaos, Aufstand, Anarchie. Vorurteile wurden geboren, der Jazz sei nur etwas für Eingeweihte, Freaks und Sonderlinge, die sich an der Kakophonie des Missklangs ergötzten. Vorurteile, die einen kleinen Ausschnitt des ästhetischen Protests für das Ganze setzten und schon lange nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun haben.

Jazz stellt sich heute vielfältiger dar als jemals zuvor. Er hat seine Wurzeln in der Dancekultur ebenso wie in zeitgenössischer Klassik, in regionaler Folklore wie in internationalen Standards. Junge Musiker studieren ihn allein in Deutschland an 18 Hochschulen. Stars wie Norah Jones und Roger Cicero haben ihn zurück in große Hallen geholt, Länder wie Norwegen und Schweden ihn als wichtigen Exportfaktor der Wirtschaft und als perfekte Basis für kulturellen Imagetransfer entdeckt. Schließlich steht Jazz für Kreativität und Innovation, für Entdeckergeist und seriösen Kunstgenuss mit einer Prise unkonventionellem Esprit.

Jedenfalls im Prinzip, denn dem Jazz aus Deutschland fehlt noch immer ein Forum, das ihn für alle sichtbar zurück zum großen Publikum und von dort aus in die Welt führt. Die Anfänge sind gemacht, wie das German Jazz Meeting und die Messe jazzahead! in Bremen zeigen, die sich aber in erster Linie die Professionals erreichen. 2010 wurde der nächste Schritt getan, raus aus den Clubs und von den kleinen Bühnen, raus aus den Nischen des Nachtprogramms, hinein in das Zentrum des nationalen und internationalen Kulturlebens. Dieser Schritt heißt ECHO Jazz.

Der ECHO Jazz markiert bewusst einen Wendepunkt der kulturellen Wertschätzung. Der Award hat das Potential, Jazz in Deutschland wie auch im Ausland den nötigen Kick zu geben, um nicht mehr als Nische wahrgenommen zu werden. Er zeigt, wie ernst die eigene Kultur genommen wird und wie offen sie zugleich für Impulse aus aller Welt ist. Er ist ein Forum für die deutsche Wirtschaft, ihre Künstler angemessen und wirkungsvoll zu promoten. Und er bringt Kunst und Entertainment zurück zum Publikum, das Qualität erwarten darf. Der Erfolg ist abzusehen, solange er in den Anfängen unterstützt wird. Der Echo Klassik und der Echo Pop haben es vorgemacht.

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